Fleur de Sel ist Philosophie

Es gibt auf den ersten Blick keinen Grund, sich für die eine oder andere Sorte Salz zu entscheiden, denn es ist immer Natriumchlorid, was wir zu uns nehmen. Und auch im Geschmack lassen sich die verschiedenen Salze nicht eindeutig unterscheiden.

Trotzdem scheint die Frage, ob billiges Kochsalz oder teures Fleur de Sel auf den Tisch kommt, Menschen in zwei Lager zu teilen: Die Ex-und-Hopp-Esser, denen nichts lieb und teuer ist, und die wahren Gourmets, die den Geldbeutel springen lassen.

Die Philosophie der Küche lässt sich nicht alleine mit chemischen Formeln bewerten. Sie unterliegt anderen Gesetzen. Dem Feinschmecker geht es um die Idee, um das Sein und nicht zuletzt um den Genuss. Und hier sind sie unschlagbar, die Salzkristalle von der französischen Halbinsel Guérande oder aus Tibetischen Himalaja.

Fleur des Sel, die Blume des Salzes, und allem voran das Flos Salis, die erste Ernte des Meersalzes (1st Flush), lässt der Fantasie freien Lauf: Das duftende Meer, die siedende Sonne, die weißen Körner mit dem rosaroten Hauch und der Gedanke an das Wunder der Naturgewalten, die sich der Mensch zunutze macht, seit Jahrtausenden.

Für gesundheitsbewusste Genießer hat die Frage des Salzes noch eine weitere Bedeutung. Durch den maschinellen Abbau und die chemische Bearbeitung wird die kristalline Struktur und damit der Informationsgehalt des Salzes unwiederbringlich zerstört. Steinsalz blieb in den Bergen zwar über Jahrmillionen vor Umweltweinflüssen geschützt und birgt in sich alle Elemente der Urmeere, die Mineralien liegen aber nur als Molekül vor und können deshalb nicht in die menschliche Zelle aufgenommen werden. Meersalz wiederum ist belastet von Umweltgiften.