Kandisrezepte

Die Kandisstory

Von der Augenheilkunde zum Edelstein in der Teetasse

Es dauerte viele Hundert Jahre, bis die Süße die Gestalt des Kandis erhielt: Um 600 n. Chr. gewann man in Persien den ersten Zucker, der ungefähr so aussah wie heute der unsrige. Kandis hingegen wurde erstmalig im 9. Jahrhundert von den Arabern hergestellt. Sie gewannen große Kristalle durch langsames Abkühlen gesättigter Zuckerlösungen. Um das Jahr 1000 nutzten arabische Ärzte Kandis als Heilmittel gegen Augenkrankheiten. Die ersten Kreuzritter verbreiteten das Wissen über diesen heilsamen und schmackhaften Zucker in ganz Europa. Schon wenig später entwickelte sich ein erster lebhafter Zuckerhandel in Venedig. Produziert wurde das wertvolle Gut in Zypern und Kreta. Die Brockhaus Enzyklopädie aus dem Jahr 1865 verrät, wie Kandis vor 150 Jahren hergestellt wurde: indem man den „geläuterten, aber nicht stark eingekochten Zuckersaft in kupfernen, mit Zwirnsfäden durchzogenen Gefäßen (Potten) erst an einem kühlen Orte, hiernach einige Tage in der Darrstube“ kristallisierte. Noch bis 1960, bis zur Entwicklung des heutigen Herstellungsverfahrens, war dieser so gewonnene „Fadenkandis“ der meistverkaufte.


Die Kandislandkarte

Über 400.000 Tonnen Zucker werden jedes Jahr von den Deutschen vertrunken, verbacken oder verkocht. Davon entfallen ca. 10.000 Tonnen auf Kandis. Wollte man eine Landkarte einfärben, die die Verwendung von Kandis anzeigt, ergäbe sich ein eindeutiger Farbverlauf, der nicht zufällig der gleiche wäre wie für die Verteilung der Teetrinker in Deutschland: dunkel im Norden, heller werdend Richtung Süden. So werden über 40 Prozent des Kandis im Nordwesten unseres Landes verkauft, in Ostfriesland. Immerhin noch jedes fünfte Paket findet seinen Abnehmer in Nordrhein-Westfalen. Auch die Vorlieben für weißen beziehungsweise braunen Kandis sind eindeutig verteilt: Über die Hälfte des weißen Kandis versüßt schwarzen Tee in norddeutschen Tassen. Je südlicher der Zuckerreisende auf seiner Deutschlandreise käme, desto häufiger würde ihm brauner Kandis angeboten werden, denn Bayern und ihre Nachbarn kochen sich neben ihrem Kaffee weniger schwarzen als vielmehr Kräuter- oder Früchtetee. Und für den wird häufiger brauner Kandis verwendet. Aber auch wenn über 90 Prozent der Kandisfreunde ihren kleinen „Edelstein“ für den Tee verwenden, so finden sie doch noch weitere Einsatzmöglichkeiten: Zum Beispiel lutschen sie die Stückchen als kleine Bonbons (45 Prozent) oder nutzen altes Wissen der Großmutter und stellen aus Kandis und Zwiebeln einen hustenlösenden Sirup her (33 Prozent). Zum Backen und Verfeinern von Süßspeisen nutzt jeder Zehnte den Kandis. Für jeden Fünften gehört der Kandis in einen selbstgemachten Likör, in den Rumtopf oder den Punsch.